Neue Fundgrube für Bibelbeweger

Liebe Apis, liebe Freunde,

wir sind Bibelbeweger, denn wir greifen zur Bibel, blättern in ihr, bewegen ihre Worte und lassen uns von ihnen bewegen. Das soll für uns Apis gelten, aber viel mehr noch für alle Christen: Es kommt darauf an, dass wir neu zu Bibelbewegern werden und unsere Gemeinden und Kirchen zu einer Bibelbewegung. An ihrem Umgang mit der Bibel entscheidet sich, ob eine Gemeinde gesund lebt oder kränkelt.

Weder kritisch noch fundamentalistisch

Wir lesen die Bibel. Nicht kritisch von oben herab, als könnten wir festlegen, was uns aus der Bibel in den Kram passt und was nicht. Nicht fundamentalistisch verengt, als wäre die Bibel ein Gesetzesbuch, das uns die Freiheit nimmt, uns mit Sonderlehren belastet und uns zu Sonderlingen macht. Nein, die Bibel befreit uns. Sie beflügelt Denken und Handeln. Durch die Bibel redet Gott zu uns. Er tut es durch die Bibel auf einzigartige Weise. Sie ist Gottes Wort an uns, darum lesen wir sie. Regelmäßig. Wir verstehen nicht alles, aber wir versuchen zu verstehen. Wir fragen nach dem historischen Zusammenhang, denn die Bibel wurde von vielen Menschen über Jahrhunderte hinweg geschrieben. Wir werfen Bibelstellen nicht wild durcheinander, sondern lesen einzelne Stellen im Zusammenhang des jeweiligen Kapitels oder Buches. Vor allem aber: Wir lesen die Bibel betend. Gottes Geist leitet uns dabei. Er befriedigt nicht all unsere Neugier, aber er lässt uns verstehen, was wir zum Leben und zum Sterben brauchen.

Jede Woche ein neues Video

Ab November 2018 eröffnen wir ein neues Webportal: bibelbeweger.de. Eine Mediathek für Gemeinde, Gottesdienst und persönliches Bibelstudium. Hier gibt es jede Woche ein neues Video, viele Impulse zur Veranschaulichung von einzelnen Bibelstellen, biblischen Büchern und Personen. Es wird nach und nach zu einer echten Fundgrube für Bibelbeweger. Klicken Sie doch einfach rein und lassen Sie sich neu von der Bibel bewegen.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Auf den Geschmack kommen

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
über Geschmack lässt sich nicht streiten, denn die Geschmäcker sind verschieden: Der Eine mag Fisch, die Andere nicht. Der Eine isst gern Fleisch, fett und viel; die Andere steht auf vegan und bio und auch davon nur ein bisschen. Manche mögen Magerquark, andere lieber Sahneschnittchen. Manche mögen’s heiß, andere kalt. So ist und so war das schon immer. Eines aber ist klar: So verschieden die Geschmacksrichtungen sein mögen – leben wollen wir alle.

In uns steckt die Sehnsucht nach Erfüllung, Sinn und Glück. Wir sehnen uns nach Zufriedenheit. Wir haben Durst nach Leben. Psalm 42 bringt es auf den Punkt: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott.“ Wir Menschen sind bedürftige Wesen. So verschieden wir auch sein mögen, welche Vorlieben und Ansichten wir auch immer haben mögen, welche unterschiedlichen Herkünfte und Prägungen: Wir alle sind auf Wasser angewiesen. Wir alle brauchen Wasser zum Leben. Jesus gibt es uns. Dazu ist er in diese Welt gekommen. Vor ihm und durch ihn sind wir alle gleich. Er gibt uns Wasser, das unseren Durst auf ewig stillt. Er ist gekommen, damit wir das Leben haben und die Fülle. Er macht Wasser zu Wein. Denn er liebt es, wenn wir auf den Geschmack kommen: auf den Geschmack der Gnade Gottes.

Alles geschenkt

Wenn es um kulinarische Geschmacksrichtungen geht, hat keiner Recht und liegt niemand falsch. Da tickt, isst und trinkt jeder anders. Wenn es aber um Leben geht, dann gibt es nur ein Angebot, das unseren Durst stillt, uns sättigt und stärkt, und das einzigartig schmeckt: die Gnade Gottes. Er schenkt uns alles. Jeden Tag, jede Stunde unseres Lebens. Er gibt uns Chancen, Fähigkeiten und Möglichkeiten, etwas zu tun. Er fängt neu mit uns an, wenn wir scheitern. Er ist immer für uns da. Er stellt uns andere Menschen an die Seite, die genauso geliebt, auf ihre je eigene Weise begabt und gesegnet sind. Wir alle leben letztlich nicht von dem, was wir schaffen und was wir aus uns machen, sondern von dem, was uns geschenkt ist. Je mehr wir das begreifen, desto mehr kommen wir auf den Geschmack von Leben.

Ich wünsche Ihnen und Euch in den kommenden Sommerwochen viele solcher Geschmacks-Momente!

Mit sommerlichen Grüßen
Ihr
Steffen Kern

Mehr als ein Job

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
über die Arbeit werden gerne Witze gemacht, so nach dem Motto: „Ich mag meinen Job; das einzige, was mich stört, ist die Arbeit!“ – Arbeit erscheint oft als etwas Lästiges, Mühsames und Beschwerliches. Arbeit als ein notwendiges Übel, oder wie es das offene Bekenntnis des eher Tätigkeitsscheuen ausdrückt: „Arbeit ist nichts für mich; ich bin eher so ein Freizeittyp.“ Manchmal ist diese Haltung gepaart mit der Überzeugung: „Ich verdiene Millionen; die zahlt mir nur keiner.“ Und darum freuen wir uns auf kaum etwas so sehr wie auf das Wochenende. In Radiosendern ist schon am Mittwoch davon die Rede, dass schon die Hälfte auf dem Weg zum Wochenende geschafft sei. Und am Montag bedauern wir uns gegenseitig. „I don’t like Mondays; ich mag Montage nicht“, singt ein ganzes Land im Chor. Dabei ist Arbeit etwas Großartiges.

Leben ist sinnvoll – nicht nur am Wochenende

Das merken wir spätestens dann, wenn wir sie los sind. Wer arbeitslos ist oder es einmal war, kann ein Lied davon singen. Wer aus gesundheitlichen Gründen plötzlich nicht mehr arbeiten kann, weiß den Wert der Arbeit zu schätzen. Wer plötzlich raus ist, würde so gerne wieder dabei sein. Arbeit ist mehr als nur Beschäftigung. Mehr als nur ein Job. Auch mehr als nur Mittel zum Zweck des Geldverdienstes. Wenn wir arbeiten, tun wir, was wir können – und was wir sollen. Gott hat uns Gaben gegeben und eine Aufgabe: Wir sollen die Schöpfung bebauen und bewahren. Arbeit gehört zum Menschsein. Arbeit hat mit unserer Würde zu tun. Nein, Arbeit ist gewiss nicht alles im Leben. Menschsein bedeutet mehr als Arbeiten; darum hat Gott ja den Sonntag geschaffen. Aber Arbeit gehört zu unserem Leben, macht uns zufrieden, lässt uns erkennen, dass wir etwas Sinnvolles tun können und gibt uns etwas zurück von dem, was wir als Sinn empfinden. Manche erfahren sogar: Arbeit macht glücklich.

Weil das so ist, lohnt es sich, die Arbeit einmal zum Thema zu machen. Ob sie erwerbsmäßig geschieht oder zuhause, ob in der Kindererziehung oder im Ruhestand, ob in der Werkstatt oder im Büro, ob im Anzug oder im Blaumann – Arbeit ist immer da. Sie begleitet uns unser Leben lang. Sie ist immer wieder mühsam – ja, das gewiss auch. Sie ist aber ein Grund, dankbar zu sein. Und sie ist Verpflichtung: Wenn Arbeit mit unserer Würde zu tun hat, haben wir auch auf angemessene Arbeitsbedingungen zu achten. Verantwortung haben also alle: Arbeitnehmer und Arbeitgeber.  In dieser besonderen Ausgabe unseres Magazins lesen Sie von Berufen und Berufungen. Sie begegnen Menschen bei der Arbeit. Und Sie werden erleben: So unterschiedlich die Arbeitsbereiche der Einzelnen sind – alle sind sie mit Gott im Job unterwegs.

Seien Sie freundlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Abseits!

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
ich weiß nicht, wie Sie es mit dem Fußball halten – die Sache mit dem runden Leder ist ja bekanntlich nicht jedermanns Sache. Aber ich für meinen Teil muss gestehen: Ich freue mich auf die Fußball-Weltmeisterschaft. Alle vier Jahre ist so ein kleines bisschen Ausnahmezustand. Viele verfolgen die Spiele. Viele fiebern mit. Manche machen Nächte durch, um zumindest auf dem Fernsehsofa „mitzufußballern“. Dabei sein ist eben auch hier alles. Es ist die Zeit, in der unsere Nation wie viele andere – nota bene: außer Holland und Italien – ein bisschen balla-balla ist. Es ist die Zeit der kleinen Flaggen im Gesicht, am Autospiegel und im Vorgarten. Gut vier Wochen, in denen es Millionen Bundestrainer gibt, die alles besser wissen als unser Bundes-Jogi. Und: Es ist die Zeit, in der selbst Fußball-Muffel neu lernen, was Abseits bedeutet.

Abseits, so weiß jedes Kind, ist dann, wenn ein ballannehmender Spieler der angreifenden Mannschaft im Moment der Ballabgabe durch den ihn anspielenden Spieler näher an der gegnerischen Torlinie steht als ein Spieler der verteidigenden Mannschaft. Alles klar? – Falls nicht, empfehle ich Ihnen einen 90-Minuten-Crashkurs in den nächsten Wochen. Eines ist jedenfalls klar: Wenn einer im Abseits steht, wird das Spiel unterbrochen. Der Angriff ist vorbei. Es gibt Freistoß für die gegnerische Mannschaft. – Ich finde, das ist ein großartiges Gleichnis für das, was Jesus für uns getan hat.

Jesus im Abseits

Er ist in diese Welt gekommen und wurde ins Abseits gestellt. Beschimpft, beschuldigt, bespuckt. Verraten, verkauft, verurteilt. Gekreuzigt, gestorben, begraben. Er hat diesen Weg gewählt und sich ins Abseits stellen lassen. Zugegeben, da enden die Vergleiche mit dem Fußball. Die Folgen aber sind wiederum verblüffend parallel: Weil dieser Jesus im Abseits steht, wird das Spiel dieser Welt unterbrochen. Die Angriffe der tausend berechtigten oder unberechtigten Beschuldigungen gegen uns sind vorbei und haben keinen Anspruch mehr an uns. Es gibt einen Freispruch für uns, die wir einst Gegner Gottes waren. – Kurzum: Weil Jesus im Abseits steht, gehören wir zu Gottes Mannschaft. Mehr noch als die Spieler einer Mannschaft und mehr als die Fans eines Teams gehören wir Christen zusammen, auch wenn uns gelegentlich manches schmerzlich trennt. Davon lesen Sie mehr in dieser Ausgabe unseres Magazins.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Von der Untugend, Unsägliches zu sagen

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
wie viele Worte dringen jeden Tag an unser Ohr? – Das weiß wohl kein Mensch. Wahrscheinlich ist es auch nicht zu sehr von Belang, wie viel wir jeden Tag hören und sagen. Bedeutsamer ist, dass wir auch Unsägliches sagen und hören. Gerüchte verbreiten wir Menschen schon immer. Nicht umsonst heißt eines der 10 Gebote: „Du sollst kein falsch Zeugnis sagen wider deinen Nächsten.“ Und doch tun wir genau das beständig. Wir reden unsagbar gerne allzu viel über andere. Über den einen Nachbarn, die Kollegin, die neue Besucherin im Gottesdienst, den Pfarrer … Vor allem Personen des öffentlichen Lebens sind oft Gegenstand unserer Gespräche und unserer Spekulationen. Christen unterscheiden sich hier in keiner Weise von Nichtchristen. Das Internet und die Kommunikation in sozialen Netzwerken verschärfen diese alte Untugend, Unsägliches zu sagen, noch einmal dramatisch. Oft anonym werden auf Facebook und Co Behauptungen in die Welt gesetzt, die nicht zu belegen sind. Wir schwadronieren und dreschen Phrasen, gelegentlich auch politische, um möglichst viel Effekt zu erzielen. Die Wirkung von alldem ist verheerend und die Gesellschaft droht sich immer mehr zu polarisieren. Eines ist klar: Wir brauchen mehr Achtsamkeit auf das, was wir sagen. Es braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen für ihre Worte und deren Konsequenzen. – Worauf kommt es also an, wenn wir reden?

Ehrlich, persönlich, differenziert

Ich meine, wir müssen ehrlicher, persönlicher und differenzierter zu reden lernen. – Ehrlich zu sein ist die Basis von allem. Nicht nur in dem, was wir sagen, sondern auch in dem, was wir verschweigen. Auch Halbwahrheiten sind ganze Lügen. Gar nicht so einfach im Zeitalter von sogenannten „alternativen Fakten“. Die Wahrheit ist ein kostbares Gut. Darum ist Ehrlichkeit gefragt.

Und persönlich sollte es sein. Für das, was wir sagen, haben wir persönlich geradezustehen. Es ist nicht akzeptabel, wenn anonym oder unter falschem Namen im Internet Thesen verbreitet werden, die kein Mensch überprüfen und nachverfolgen kann. Rückfragen auszuweichen, auch Rückfragen unmöglich zu machen, ist schlicht und ergreifend feige. So zerstören wir unser gesellschaftliches Klima. Je unehrlicher und unpersönlicher wir reden, desto weniger Vertrauen gibt es in unserem Land. Christen sollten für eine vertrauensvolle Kommunikation einstehen.

Dazu gehört es auch, differenziert zu reden. Unsere Welt ist so komplex, dass platte und einfache Antworten oft nicht genügen. Es gilt die Dinge differenziert zu betrachten, sorgsam abzuwägen und dann auch klar Position zu beziehen. Diese Differenziertheit bleibt aber allzu oft auf der Strecke. Differenziert zu reden kostet uns etwas. Nämlich Zeit und Kraft und es bedeutet hinzuhören, bevor wir etwas sagen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen beim Lesen dieser Ausgabe unseres Magazins viele gute Einsichten.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Willkommen in Hülben!

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
wer der Geschichte des Pietismus in Württemberg auf frischer Tat begegnen will, der muss nach Hülben! Nirgendwo sonst hat der frühe Pietismus so tiefe Spuren hinterlassen wie auf dem karstigen Albboden hoch über Bad Urach. Seit mindestens 250 Jahren gibt es dort ununterbrochen eine Bibelstunde. Im letzten Jahr haben wir 500 Jahre Reformation gefeiert. 2018 geht unser Blick von Wittenberg nach Württemberg und dort gezielt nach Hülben. Das kleine Albdorf ist seit einem Vierteljahrtausend ein geistliches Zentrum. Es taucht in jedem Lehrbuch über den Pietismus in Deutschland auf. Selbst wer die allgemeine Geschichte Württembergs erzählt, kommt an Hülben und an der Familie Kullen nicht vorbei: Kullen, Busch, Scheffbuch, Eißler – hier lassen sich Segenslinien durch Familien verfolgen. Von hier aus zogen sie nach Korntal, in die Kirche und in die Welt. Hülben prägte die Region und das Land. Bis heute strömen Hunderte zu den Treffen an dem Ort, der dem Himmel etwas näher zu sein scheint als andere. Was ist sein Geheimnis?

Herzlich und humorvoll, kurz und klar

Man erzählt das Wort Gottes, ohne allzu viele und vor allem nicht allzu lange Worte zu machen. Kurz und klar sind die Beiträge in den Treffen, die – abgesehen von den großen Konferenzen – verlässlich nach einer Stunde enden. Nüchtern und bodenständig geht es zu in Hülben. Es gibt keine besonderen Lehren, keine geistigen und geistlichen Höhenflüge, sondern Punktlandungen: Was in der Bibel steht, wird auf den Punkt gebracht. Einfach, schlicht und lebensnah. Herzlich und humorvoll begegnet man sich. Ich bin noch nie nach Hülben gekommen, ohne bei jedem Besuch zumindest einmal herzlich gelacht zu haben. Wer hierher kommt ins alte Schulhaus oder in die Kirche, erlebt: Das Evangelium hat Hand und Fuß.

Gewiss gibt es viele moderne und postmoderne, innovative und kreative Formen pietistischen Lebens an vielen Stellen im Land – und das ist gut so. In Hülben gibt es keine Experimente. Auch kein schwelgendes Halleluja. Keine Schwarzwälder Kirschtorte, sondern „Konferenzbrot“. Hier gibt es einen Bibeltext, eine kurze Geschichte aus dem Leben dazu, ein Segenswort und ein kräftiges Amen. Damit kann man leben. Und sterben. Denn der Pietismus in Hülben ist zwar traditionsbewusst – und das im besten Sinne – aber nie gesetzlich und eng. Im Gegenteil: Hier wird das Evangelium bezeugt. Hier hat man begriffen, was Gnade bedeutet. Hier auf der rauen Alb erfährt man immer wieder ein Stück der herzhaften Barmherzigkeit Gottes. Hier wird man nicht in den Himmel entrückt, sondern gewinnt Boden unter den Füßen und findet Kraft zum Leben. Darum bin ich von Herzen dankbar, dass es nach 250 Jahren immer noch heißt: Willkommen in Hülben!

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Wie geht eigentlich Glauben?

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
wie fängt man die Sache mit dem Glauben eigentlich an? So einfach ist das ja nicht. Schließlich fällt der Glaube nicht vom Himmel. Dabei ist er ein Geschenk des Himmels. Aber dass wir ihn, ganz irdisch, auch begreifen und fassen – das geht schrittweise. Viele fragen gerade nach diesen ersten, ganz grundlegenden Schritten: Wie geht eigentlich Glauben?

Glauben ist mehr als eine Weltanschauung. Glauben ist mehr, als etwas für wahr und etwas anderes für falsch zu halten. Glauben heißt, dass wir jemandem vertrauen. Dass wir uns auf das Wort eines anderen verlassen. Und dass wir es wagen, so zu leben. – Es beginnt immer damit, dass wir etwas von Gott hören. Wir erfahren, was er für uns getan hat. Wir hören von Jesus und seinen Versprechen an uns. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn für mich gab.“ Ich fange an, diesen Satz zu beherzigen. Ich lasse mir Gottes Worte sagen. Und widerspreche nicht. Ich lasse das Evangelium gelten und sage „Amen“ dazu. Die gute Nachricht begreife ich nicht voll und ganz, aber etwas von ihr sickert nach und nach in mein Herz und verändert alles. Ich gebe zu, dass ich Vergebung brauche, denn ich sehe ein, dass ich schuldig geworden bin. Ich entdecke auf einmal, wer Jesus ist und für mich sein will – und dabei entdecke ich mich selbst ganz neu: Ich bin trotz allem ein von Gott geliebter Mensch.

Ich beginne zaghaft mit einem ersten Gebet

Diese Einsicht drängt nach Ausdruck. Gottes Wort ist auf meine Antwort aus. Gottes Liebe wartet auf Erwiderung. Wenn es so ist, dass Gott eine Beziehung zu mir sucht, ja dass er als mein Vater in einer Beziehung zu mir steht, dann verändert das alles. Darum ändere ich alles: Ich antworte darauf und beginne zaghaft mit einem ersten Gebet. So fängt Glauben an. Ich suche den Kontakt mit meinem himmlischen Vater und mit Jesus, seinem Sohn, der ganz für mich da ist. Ich frage, wer er genau ist und was er will. Darum lese ich in der Bibel und begreife vieles nicht, aber das Wenige, das ich verstehe, ist mehr als ich zum Leben brauche. Ich beginne, anders zu leben. Manches lasse ich. Manches tu ich zum ersten Mal. Auf einmal bete ich, suche Kontakt zu andern Christen und habe andere Ziele für mein Leben. Da ist eine ganz neue Freiheit, eine bislang ungeahnte Gewissheit, eine neue Verbindung mit Menschen, die ich vorher kaum kannte, und da ist zwar nicht der Himmel auf Erden, gewiss nicht, und doch in meinem Herzen ein ganz neues Glück.

So kann ein Anfang im Glauben aussehen. Bei der einen so, beim anderen etwas anders. Bei proChrist laden wir herzlich dazu ein, erste Schritte im Glauben zu wagen. Wir reden über diese ersten Schritte und bieten an, Menschen auf diesem Weg zu begleiten. Schritt für Schritt. Respektvoll und liebevoll, freundlich und diskret, einladend und herzlich. Bitte gehen Sie doch mit. Beten Sie mit. Wagen Sie selbst neu Schritte auf dem Weg ins Leben und begleiten Sie andere dabei!

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Keine Angst?

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
es ist erstaunlich und äußerst auffällig: Eine der häufigsten Formulierungen Gottes in der Bibel lautet: „Fürchte dich nicht!“ – Wenn ein Engel oder Gott selbst auftritt, wenn das ganze Volk Israel oder ein einzelner Mensch angesprochen wird: immer wieder dieses „Fürchte dich nicht!“ – Offensichtlich haben wir es nötig, genau diesen Satz zu hören. Denn Furcht und Angst sind Wegbegleiter unseres Lebens, die wir nicht so leicht loswerden.
 
Angst vor dem Krieg, dem Terror, dem Schrecken. Angst vor der Krankheit, dem Sterben, dem Tod. Angst davor, sich zu öffnen, etwas zu wagen, enttäuscht zu werden. Angst vor der Klassenarbeit, vor der Prüfung. Angst davor, nicht zu bestehen. Angst, nicht anzukommen, ausgelacht zu werden. Angst, Ansehen zu verlieren. Angst, Geld und Gut zu verlieren. Angst, liebe Menschen zu verlieren. Angst, das Leben zu verlieren, vielleicht sogar das ewige Leben. Angst vor dem Teufel, Angst vor Gott. – Ängste gibt es unendlich viele. Nachvollziehbare und absurde, hilfreiche Warnungen und lähmende Furcht, gesunde Risikoeinschätzung und krankhafte Störung. Angst lässt sich nicht über einen Kamm scheren. Die Angst ist so verschieden wie die Menschen und das Leben.

Angst treibt in die Enge

Angst ist zugleich die Schwester der Manipulation. Mit Angst lässt sich Geld verdienen. Mit Angst kann man ein Machtsystem aufbauen. Das gilt für Diktaturen und Staatsregime, aber auch für Familien und sogar Gemeinden: Wo die Angst regiert, zieht die Freiheit aus. Menschen werden geknechtet und abhängig gemacht. Angst kriegt klein.
 
Eines verbindet alle Ängste: Angst ist immer Angst vor dem Verlieren. Gerade darum ist sie keine Haltung des Glaubens. Denn Menschen, die an Jesus Christus glauben, sind gewiss, dass ihnen von ihm alles geschenkt wird und sie in ihm alles haben. Ja, die Angst kommt. Aber wir halten sie nicht fest. Wir halten uns an Jesus und seine Versprechen.
Wir verharmlosen die Gefahren und Nöte nicht, aber wir vertrauen auf einen, der größer ist. So gehen wir durch diese Welt, in der es oft keine einfachen Lösungen gibt. Immer wieder taucht die Angst auf, dass wir etwas Wesentliches verlieren. Dann aber erinnern wir uns daran, dass uns Jesus alles schenkt und wir in ihm alles haben. Er ist der Herr der Geschichte. Diese Zuversicht ist größer als jede noch so begründete Angst, denn sie gründet in Jesus Christus selbst.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

„Und sie bewegt sich doch!“

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
das soll Galileo Galilei der Legende nach gemurmelt haben, als er das Inquisitionsgericht verließ und dort soeben das kopernikanische Weltbild öffentlich verleugnet hatte. Gemeint war: Die Erde bewegt sich doch um die Sonne. Die Vertreter des alten Weltbildes hielten sie dagegen für unbeweglich und starr. – Ähnliches denken heute manche von der Kirche. Es ist schon zum Klischee geworden: Starr sei sie, eingefahren und unbeweglich, die Kirche. In immer alten Strukturen ginge nichts nach vorne. Die Welt drehe sich weiter, aber die Kirche bleibe zurück. Ist das wirklich so?

Nein, es gibt Bewegung. Nicht nur in geistlicher Hinsicht, auf die es ja letztlich ankommt. Es gibt eine Bewegung, die nicht verborgen bleibt, sondern an immer mehr Stellen sichtbar wird. Neue Gemeindeformen entstehen, neue Gemeinschaften, neue missionarische und diakonische Initiativen. Das ist ganz bemerkenswert: Mitten im Wandel unserer Zeit, in einer Phase der fortschreitenden Säkularisierung und des dramatischen Mitgliederrückgangs der Kirchen gibt es neue Aufbrüche. Sie sind nicht spektakulär und dazu angetan, große Schlagzeilen auszulösen. Darum geht es auch gar nicht. Aber es geht darum, neue Perspektiven zu entdecken und Mut zu gewinnen, mit der eigenen Gemeinschaft und Gemeinde Neues zu wagen.

Mut, Neues zu wagen

Unter dem Titel „Fresh X“ sammeln sich Konzepte für und Berichte über „frische Ausdrucksformen“ von Kirche und Gemeinde. Manche haben bereits ganz erstaunliche Erfahrungen gesammelt: Im Vertrauen auf den Gott, der heute für uns da ist und uns in unsere Welt sendet, erleben wir, wie Gemeinschaften neue Wege suchen und finden. Das ist unser Uranliegen: Menschen mit dem Evangelium von Jesus Christus zu erreichen und ihnen eine Heimat zu geben. Und „Heimatgeber“ wollen und sollen wir sein. Das ist unser Auftrag. Die Artikel dieser Ausgabe erzählen eindrückliche Geschichten und machen Mut, unseren Glauben zu leben und neue Schritte zu wagen.
 
Ihnen alles Gute und Gottes Segen im Jahr 2018!

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Im Blickkontakt mit Gott leben

Liebe Apis, liebe Freunde,

von Gottes Segen leben wir und damit von einem der größten Geheimnisse dieser Welt. Denn Segen bedeutet: Gott sieht uns an. Er wendet uns sein Angesicht zu und lässt seinen Blick auf uns ruhen. Ohne diesen gnädigen Blick Gottes wäre kein Leben möglich. Es ist wie beim Aufgang der Sonne: Ihre Strahlen wärmen und machen alles hell. Ohne Sonne kein Leben. Genauso ist das mit dem Segen Gottes: Sein Angesicht leuchtet über uns. Er erhebt sein Angesicht über uns. Er sieht uns an und ist uns gnädig. Er behütet uns und gibt uns Frieden. Es ist großartig, was uns die wertvollen Worte aus 4. Mose 6,24-26 eröffnen: Der Segen Gottes führt uns in den „Schalom“ Gottes.

Aber wenn Gott uns segnet, segnet er nicht alles ab, was wir tun und lassen. Sein Segen gilt uns als Personen und betrifft uns ganz. Unser Handeln aber haben wir selbst zu verantworten. Im Segen Gottes zu leben und unter seinem Segen zu bleiben, heißt darum, den Blickkontakt mit Gott zu suchen. Er will uns dann mit seinen Augen leiten, wie er in Psalm 32,8 verspricht. Darf ich Sie einmal fragen: Wann haben Sie zuletzt Gott in die Augen gesehen?

Gott macht glücklich – wirklich?

Das ist nicht die Frage nach einem besonders frommen Erlebnis oder einem innigen spirituellen Moment – es ist eine Frage nach Ihrer Lebenshaltung. Gott sieht uns an. Und das heißt: Er sucht Blickkontakt mit uns. So begleitet, leitet, führt und segnet er uns. Das tut er nicht nur in besonderen Momenten. Gottes größte Zeit in unserem Leben sind die Alltage, das Normale und Gewöhnliche. Nicht erst am Sonntag, nicht erst beim nächsten geistlichen Highlight – nein, jetzt ist Segenszeit. Zum Glück gibt’s den Segen. In diesem Sinne gilt: Gott macht glücklich. Er bewahrt nicht vor allem Leid und allem Schweren. Aber auf allen Wegen sieht er uns und geht mit. Genau dazu ist Jesus in diese Welt gekommen und hat sich auf die Straßen und Wege unseres Lebens begeben. Er ist da, er sieht uns freundlich an und spricht uns an. Seine Worte begleiten uns. Was für ein Glück!

Seien Sie freundlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

... da ist Sünde

Liebe Apis, liebe Freunde,

wir feiern das Jubiläumsjahr der Reformation und hören in diesen Wochen viel von der reformatorischen Freiheit. In der Tat ist es die großartige Wiederentdeckung Martin Luthers und der Reformatoren, dass wir als Christen freie Menschen sind, weil Jesus Christus uns befreit. Durch seine Gnade leben wir. Darum feiern wir zu Recht diese Wiederentdeckung der Freiheit und beschreiben die Gemeinde Jesu Christi auch als „Kirche der Freiheit“.

Diese Freiheit wird aber in vollem Maße nur erkannt, wenn wir zugleich sagen können, wovon wir befreit sind. Mit dem Begriff der Sünde beschreibt die Bibel grundlegend, was uns gefangen hält und uns die Freiheit nimmt. Sünde ist viel mehr als ein Stückchen Schwarzwälder Kirschtorte zu viel, der eine oder andere Fehltritt oder ein schlagzeilenträchtiger Skandal. Sünde ist mehr als eine Tat oder Untat. Sünde beschreibt unser Wesen. Wir sind Sünder. Unser Herz ist von Jugend auf böse. Paulus hält zusammenfassend fest: „Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.“ (Röm 3,12b) Darum kommt es immer wieder entscheidend darauf an, dass uns Gott die Augen öffnet für diesen Zustand. Erst wenn uns unsere Sünde bewusst wird, können wir ermessen, was Gottes Gnade bedeutet. Erst dann können wir die Freiheit feiern, die uns Jesus Christus schenkt. Darum ist es gut und geboten, wenn wir im Blick auf uns immer wieder erkennen: Da ist Sünde.

Da ist Freiheit!

Eine Gefahr hat aber die Sache mit der Sünde. Wir sollten sie nicht nur bei anderen, sondern zuerst bei uns selbst suchen. Nicht zufällig lehrt uns Jesus im Vaterunser beten: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ Wir haben es nötig und brauchen es jeden Tag, dass Gott uns unsere Schuld vergibt, und zugleich bitten wir darum, dass wir anderen vergeben. Denn im Zustand der Sünde sind wir immer Täter und Opfer zugleich: Wir werden an anderen schuldig, aber auch andere werden an uns schuldig. Der verheerende Zusammenhang von Sünde und Tod kann nur durch Vergebung durchbrochen werden. Es ist darum entscheidend, dass wir das Evangelium als eine Botschaft der Freiheit begreifen: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Wir dürfen als freie Menschen leben und auch anderen vergeben. Vergebung durchbricht den Teufelskreis der Sünde. Wo das geschieht, können wir mit großer Freude und Dankbarkeit feststellen: Da ist Freiheit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen nicht nur für das Jubiläumsjahr 2017, sondern für Ihr ganzes Leben eine neue Freude am Evangelium.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Das Kreuz stört

Liebe Apis, liebe Freunde,

im Gerichtssaal, in öffentlichen Gebäuden, in Schulen – immer wieder gibt es Menschen, die sich am Kreuz stören. Manche fordern offen: Das Kreuz müsse weg. Ob auf dem Tempelberg in Jerusalem oder auf den Gipfeln der Alpen – das Kreuz ist von manchen nicht gerne gesehen und bleibt ein Stein des Anstoßes. Kurzum: Das Kreuz stört. Natürlich hat das verschiedene Gründe, auch politische und historische. Aber im Grunde war das schon immer so. Schon vor 2.000 Jahren: Das Wort vom Kreuz hat provoziert. Es war ein Ärgernis, ein Skandal.

Das Kreuz steht für einen grausamen Tod. Es ist ein Marterpfahl. Ein Folterinstrument. Unappetitlich und unansehnlich. So ist Jesus Christus gestorben. Außerhalb der Stadt auf einer Müllkippe nahe Jerusalem. Golgatha nannten sie diesen Ort. Schädelstätte. Kalt. Grausam. Dieser Ort steht für Schrecken, Terror und Tod.

Der ungeliebte Spiegel

An diesem Ort hält Jesus all das aus: Schrecken, Terror, Tod. Mehr noch: Er trägt die Last der ganzen Welt. Die ganzen zerbrochenen Beziehungen. Die Schuld, die wir auf uns laden. Das Kreuz steht für den Bankrott unseres Lebens. Für den Punkt, an dem ich am Ende bin. Darum stört es uns. Das wollen wir nicht wahrhaben. Das Kreuz hält uns einen Spiegel vor, in den wir nicht gerne sehen. Aber das Kreuz zeigt uns damit auch die bittere Wahrheit unseres Lebens: Ohne Vergebung sind wir bankrott.

Immer wieder wird gefragt: War es nötig, dass Jesus für uns stirbt? Musste Jesus für mich sterben? Persönlich kann ich nur sagen: Ja. Davon lebe ich: Dass Jesus meine Schuld getragen hat und ich leben darf. Das Kreuz steht nicht nur für das Ende und den Tod. Es steht für einen neuen Anfang. Hier können wir ehrlich werden. Hier können wir Schuld ehrlich ansprechen und offen aussprechen. Hier wird mir vergeben. Dafür steht das Kreuz und darum ist es mir der liebste Ort der Welt: Denn hier unter diesem Kreuz können wir neu anfangen. – Wir Christen stehen darum unter dem Kreuz. Wir ziehen es nicht zurück. Wir verstecken es nicht. Im Gegenteil: Wir halten es hoch und halten es in Ehren. Und wir können es nicht lassen, von dem Mann am Kreuz zu reden. Darum bewusst auch nach der Passionszeit und Ostern diese Ausgabe unseres Magazins: Das Kreuz geht uns immer an.

Seien Sie freundlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

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