Ein Plätzchen für Jesus?

Liebe Apis, liebe Freunde,

jetzt ist Zeit zum Plätzchenbacken. Im Advent oder schon kurz davor kommt Leben in die Weihnachtsbäckerei. Es duftet nach Zimt, Teig und Schokolade. Wunderbare Köstlichkeiten kommen aus dem Backofen: Lebkuchen, Zimtsterne, Spritzgebäck, „Wespennester“, „Ausstecherle“, „Haselnussbreedle“… Es gibt die verschiedensten Sorten von Plätzchen. Leckereien ohne Ende! Und bestimmt haben Sie auch Ihr Lieblingsplätzchen. Die Frage ist nur: Haben Sie auch ein Plätzchen für Jesus?

Nein, ich meine nicht, ob Sie für ihn ein Plätzchen backen oder für ihn eines zurücklegen. Lebkuchen braucht er nicht, aber unser Leben will er: ein Plätzchen in unserem Herzen, einen Platz in unserem Alltag. Dazu ist er in die Welt gekommen. Darum feiern wir Weihnachten. Gott wird Mensch, um ganz bei uns zu sein. Die Engel geben dafür ein Platzkonzert in Bethlehem. Friede auf Erden. Wohl und Heil für die Menschen. Was für ein Fest! – Jetzt kommt es nur darauf an, dass wir Jesus einen Platz einräumen. Wenn er Raum in unserem Leben gewinnt. Wenn er unsere Gedanken und Entscheidungen lenkt. Wenn wir ihm vertrauen. Dann wird es Weihnachten. Dann kehrt Friede ein. Darum meine herzliche Empfehlung für Ihren Advent 2019: Machen Sie Platz in Ihrem Herzen und reservieren Sie ein Plätzchen für Jesus!

Ein Plätzchen für Jesus in Ihrem Tagesablauf: Wie oft kommen Sie zur Ruhe, zum Gebet und zum Lesen der Bibel? – Ein Plätzchen für Jesus in Ihren Gedanken: Wie treffen Sie Ihre Entscheidungen? Wer oder was leitet Sie? – Ein Plätzchen für Jesus in Ihrem Geldbeutel: Wofür geben Sie Ihr Geld aus? Was bleibt für Gottes Reich? – Ein Plätzchen für Jesus in Ihren Beziehungen: Wem sollten Sie vergeben? Wer ist Ihr Nächster, der Ihre Liebe braucht und vielleicht auch Ihre Hilfe? – Ein Plätzchen für Jesus in Ihrer Haltung gegenüber Ihrer Gemeinde, der Kirche, der Gesellschaft, der Politik: Wofür sind Sie dankbar? Wodurch hat Jesus Sie beschenkt und gesegnet? Und wie können Sie ein Segen für andere sein?  

Die Adventsausgabe unseres Magazins gibt Ihnen dafür wertvolle Impulse. Wir von der Redaktion wünschen Ihnen von Herzen einen Dezember voller Weihnachten.

Ihr
Steffen Kern

Welche Kirche wählen wir?

Liebe Apis, liebe Freunde,

am 1. Dezember ist Kirchenwahl in Württemberg. In allen Gemeinden werden die Kirchengemeinderäte und im ganzen Land die Synode neu gewählt. In dieser Wahl entscheidet sich sehr viel für die nächsten sechs Jahre. Aber, welche Kirche sollen wir wählen? – Dazu fünf persönliche „fromme Wünsche“: 

Ich wünsche mir eine Kirche mit Herz. Denn Glauben ist Herzenssache. Wir hängen unser Herz an den lebendigen Gott, vertrauen dem, was er sagt und tut. Es kommt auf die Menschen an, die leidenschaftlich an Jesus Christus glauben und ihren Glauben offen, ehrlich und einladend leben. Es gibt viele davon in unseren Gemeinden. Was für ein Schatz! In den Leitungsgremien brauchen wir nicht die Perfekten, aber solche, die sich von Gottes Geist und seinem Wort immer neu bewegen lassen. 

Ich wünsche mir eine Kirche mit Haupt. Jesus Christus ist das Haupt der Gemeinde. Unser Bekenntnis zum gekreuzigten, auferstandenen und wiederkommenden Herrn der Kirche ist die Mitte unseres Glaubens. In ihm sind wir verbunden und in ihm halten wir auch Unterschiede aus. Darum kommt es darauf an, dass das Haupt auch die Hauptsache der Kirche bleibt. Denn davon bin ich angesichts der wachsenden religiösen und weltanschaulichen Pluralität zutiefst überzeugt: An der Christusfrage entscheidet sich die Kirchenfrage. 

Ich wünsche mir eine Kirche mit Hirn. Wir brauchen eine nüchterne, solide und redliche Theologie. Es gibt viele tiefgreifende Fragen des Glaubens und Lebens, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Besonnenheit und Mut sind gefragt. Weisheit und Liebe auch in unserem Denken. Denn: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ 

Ich wünsche mir eine Kirche mit Hand und Fuß. Jede Gemeinschaft, die Jesus im Zentrum hat, ist auch diakonisch unterwegs. Die Diakonie ist nicht eine Kür unseres Gemeindelebens, sondern ein Herzstück. Jesus, der seinen Jüngern die Füße wäscht, weist uns den Weg. Wir sind zum Dienen berufen. 

Ich wünsche mir eine Kirche, die mit Haut und Haaren missionarisch unterwegs ist. Immer am Puls der Ewigkeit und zugleich ganz auf der Höhe der Zeit. Den Herzschlag Gottes nehmen wir nur auf, wenn wir den alten Glauben immer wieder in neuen Formen leben. Fünf Wünsche von mir – aber Sie haben die Wahl!

Ihr
Steffen Kern

Goldene Oktaven

Liebe Apis, liebe Freunde,

wenn im Herbst die Sonne scheint, der Himmel in klarem Blau erstrahlt und die Blätter ihr gelb-rot-leuchtendes Kleid anziehen, dann freuen wir uns über einen goldenen Oktober! Die Herbstsonne tut der Seele gut. Sie brennt nicht mehr heiß vom Himmel, sondern warm und sanft. Die Luft ist klar. Es gibt neuen Wein, frische Trauben, Äpfel, Birnen, Quitten. So vieles ist reif zur Ernte. Kein Zufall, dass wir in diesen Wochen Erntedankfest feiern. Der Herbst ist die Reifezeit des Jahres. – Aber wenn nur die Früchte reifen, ist das zu wenig …

Die Frage ist, wie es in unserer Seele aussieht. Was oder wer strahlt in unserem Herzen? Weht ein frischer Wind durch unser Inneres? Und gibt es Früchte unseres Glaubens, die reifen und uns zum Loben und Danken bringen? – Darauf kommt es an: Gottes Liebe will uns verändern. Wir sollen und wir können als Menschen wachsen und reifen. Das bewirkt der Heilige Geist in uns. Jesus hat nicht nur vor zwei Jahrtausenden auf dieser Erde gelebt – der Auferstandene lebt in uns. Ein Geheimnis – gewiss. Und doch etwas, was wir erleben und erfahren können.

Einzigartiger Herbstklang auf dem Schönblick

Deutlich wurde das noch im September beim größten Kongress, der jemals auf dem Schönblick stattfand: Über tausend Leute haben beim Lobpreiskongress gebetet, gesungen, Gott gelobt und auf sein Wort gehört. Die bekanntesten und prägendsten Worship-Musiker der Gegenwart aus dem ganzen deutschsprachigen Raum waren da und haben diese Tage bereichert. Aus dem Forum Schönblick klang es in den Herbstwald hinaus: goldene Oktaven noch vor dem goldenen Oktober.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie beim Lesen dieser Gemeinschaft-Ausgabe inspiriert und bereichert werden. Vielleicht stimmen Sie ja dabei ein herbstliches Loblied an.

Ihr
Steffen Kern

Erfolg und Segen

Liebe Apis, liebe Freunde,

die einen fürchten ihn, die andern freuen sich darauf: Der letzte Schultag vor den großen Ferien spaltet die Schulklassen, denn es gibt Zeugnisse. Gute Noten, schlechte Noten. Mit ner 5 in Mathe gehst du anders nach Hause als mit einem Einser-Durchschnitt. So ist das Leben: Es gibt Erfolg und Misserfolg. Es gilt in Schule, Beruf und Sport – eigentlich fast überall: Es gibt Herausforderungen, an denen wir scheitern, und es gibt solche, die wir meistern. Natürlich spielt dabei unsere Leistung eine Rolle. Fleiß und Faulheit haben eben jeweils Folgen. Und doch bleibt vieles unverfügbar: Erfolg können wir nicht machen. Die größten „Erfolge" unseres Lebens sind die großen Geschenke, die Gott uns macht.

Was habe ich geschafft, was wurde mir geschenkt?

Landwirte erfahren das in besonderer Weise. Sie pflügen, säen, arbeiten monatelang, aber wie die Ernte letztlich ausfällt haben sie nicht in der Hand. Ihr Erfolg hängt von vielen Faktoren ab – nicht nur vom Wetter, sondern mehr noch: von Gottes Segen. Darum war „Erfolg“ auch ein Thema beim Forum „Christen in der Landwirtschaft“ in diesem Jahr. Weil es aber nicht nur ein Thema für Bäuerinnen und Bauern ist, sondern eines für uns alle, bestimmt es die Sommerausgabe unseres Magazins. Es ist gut, in der Mitte des Jahres das Wesentliche zum Thema zu machen. Das gilt besonders für Ihre Urlaubstage: Wofür kann ich dankbar sein? Was habe ich geschafft, was wurde mir geschenkt? Woran will ich weiter arbeiten? Was strebe ich eigentlich an? Was ist das Ziel meines Lebens? – Bewegen Sie diese Fragen. Machen Sie aus diesen Fragen ein Gebet. Ruhen Sie aus, um danach wieder neu durchzustarten.

Danke für Ihre Hilfe!

„Erfolg“ ist für uns als Spendenwerk eigentlich keine Kategorie. Denn wir leben – mehr noch als andere – davon, dass Gott uns versorgt und beschenkt. Auch in diesem Jahr: Wir sind dankbar für 960.000 EUR, die an Spenden bis zum 30. Juni eingegangen sind. Das sind 80.000 EUR mehr als im Vorjahr. Ein ganz großer Segen. Danke für Ihre Unterstützung. Zugleich bräuchten wir 44.000 EUR mehr, um alle Kosten decken zu können. Wir sind also weiter auf Ihre Spenden und Gebete angewiesen. Nur so ist unsere Jugendarbeit möglich, ebenso Seelsorge, die Begleitung von Gemeinschaften und der Aufbau von Gemeinden. Bitte helfen Sie uns weiter!

Für Sie und Ihre Sommerwochen in jeder Hinsicht viel Erfolg, vor allem aber: Gottes Segen!

Ihr
Steffen Kern

Dem Himmel ein Stück näher

Liebe Apis, liebe Freunde,

es ist der Gottesdienst mit der schönsten Aussicht im ganzen Land. Der Blick ist atemberaubend: nach Süden den Albtrauf entlang, weit nach Westen über Neckartal und Schönbuch bis zum Schwarzwald und im Nordosten zum Schwäbischen Wald und den Drei Kaiserbergen. Wer den gut halbstündigen Aufstieg geschafft hat, ist dem Himmel ein bisschen näher. Was bietet sich mehr an, als hier oben auf dem Jusi Gottesdienst zu feiern?

Auf dem Jusi geht es um Jesus

Vor 100 Jahren war es eine typisch pietistische Pioniertat: die Mauern eines Gotteshauses zu verlassen und den Glauben in die Welt hinauszutragen. Viele haben sich ansprechen und mitnehmen lassen. Und das durch den Wandel der Zeiten hindurch. Zwischen Kaiserreich, Weimarer Republik, NS-Diktatur und neuer Bundesrepublik – eins blieb immer gleich: Auf dem Jusi geht es um Jesus. Ein Kontrapunkt gegen Führerkulte und Ideologien aller Zeiten. Ein Kompass nicht nur für die Albwanderung, sondern fürs Leben. Ein Konzert zum Lob Gottes. Denn auch das gehört dazu: Auf dem Jusi wird gesungen. 

Grillen, Chillen und eine lebensnahe Predigt

Es ist ein großes Gemeinschaftstreffen. Wahrscheinlich ist das bis heute das Geheimnis des Jusi-Treffens: Man trifft sich. Überall Picknickdecken, Campingstühle, Posaunenklänge. Das Volk lagert auf der Wiese wie einst bei der Bergpredigt oberhalb des Sees Genezareth. Grillen, chillen und eine lebensnahe Predigt hören. Der erste Sonntag in den Sommerferien läutet den Urlaub ein und ist auf dem Jusi ein entspannter Festtag.

Machen Sie doch dieses Jahr einen Ausflug mit Freunden: Kommen Sie am 28. Juli auf den Jusi und treffen Sie Bischof July! Außerdem unseren Ministerpräsidenten, der seine Teilnahme zur ältesten „Kirche im Grünen“ zugesagt hat. Cornelius Kuttler vom ejw wird ebenso dabei sein wie viele Gäste aus nah und fern. Ich freue mich, Sie zu sehen.

Seien Sie herzlich gegrüßt – bis bald auf dem Jusi!

Ihr
Steffen Kern

Die Quelle aller Inspiration

Liebe Apis, liebe Freunde,

die Bibel ist die Quelle aller Inspiration. Das vergessen und verkennen wir oft. Kein Buch hat seine Leser durch die Jahrhunderte so bewegt und angeregt wie die Bibel. Unzählige Kunstwerke sind durch Worte der Bibel entstanden: Bilder, Musikstücke, Gebäude. Nicht nur Rembrandt und Bach stehen dafür – in nahezu allen Epochen hat die Bibel Spuren hinterlassen in Kunst, Musik, Literatur und Architektur. Die Bibel inspiriert die Männer und Frauen, die sie lesen. Das Schöpferwort entfaltet seine schöpferische Kraft. Bis heute.

Wann haben Sie sich zum letzten Mal von der Bibel bewegen lassen? Wann haben Sie zuletzt aufgeatmet in Gottes Gegenwart? Lesen Sie doch neu und lassen Sie sich bewegen! Natürlich, dass Gottes Wort unser Herz berührt, können wir nicht machen. Aber wir können möglichst gute Rahmenbedingungen schaffen, dass es geschieht. Dazu ein paar kleine Hinweise:

  • Lesen Sie die Bibel regelmäßig. Was wir nicht regelmäßig tun, wird in der Regel mäßig. Je mehr eine Vertrautheit mit der Bibel wächst, desto stärker prägt sie uns.
  • Lesen Sie die Bibel betend. Bitten Sie Gott darum, dass er zu Ihnen redet und Sie verstehen lässt.
  • Lesen Sie die Bibel fragend: Forschen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. Es gibt viele gute Auslegungshilfen.
  • Lesen Sie die Bibel im Zusammenhang. Kapitel für Kapitel. Das bewahrt Sie davor, einzelne Sätze aus dem Zusammenhang zu reißen und zu missdeuten.
  • Lesen Sie die Bibel zumindest gelegentlich mit anderen und tauschen Sie sich mit ihnen über den Text aus. Die Einsichten von Brüdern und Schwestern weiten unseren Horizont.

In dieser Ausgabe der „Gemeinschaft“ wird deutlich: Inspiriert leben ist mehr als Bibel lesen. Aber eines ist von Anfang an klar: Die Quelle aller Inspiration ist und bleibt das Wort des Gottes, der uns geschaffen und erlöst hat. Er spricht uns immer wieder neu an.

Herzliche Grüße
Ihr
Steffen Kern

Endlich ehrlich werden

Liebe Apis, liebe Freunde,

ein Beschluss der Synode erhitzt die Gemüter. Wieder einmal: Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Mehr dazu auf den Seiten 6 bis 9. Für uns bleibt wesentlich: Wir orientieren uns an der Bibel als Gottes Wort, sehen die Ehe als einzigartige Lebensgemeinschaft von Mann und Frau, die Gott einzigartig segnet. – Bei aller Kirchenpolitik übersehen wir allzu oft die tiefe seelische Not und unsere Verantwortung als christliche Gemeinde im Umgang mit Homosexuellen. Nur ein paar Begegnungen der letzten Jahre – authentisch berichtet und doch so verfremdet, dass die Genannten anonym bleiben.

Geständnisse unter Tränen

Ich denke an eine junge Frau. Sie wurde seit dem Kindergartenalter jahrelang sexuell missbraucht. Die Täter waren mehrere Männer, auch aus dem familiären Umfeld. Alle juristischen Schritte führten ins Leere. Die offenkundigen Verbrechen sind Einzelnen nicht nachzuweisen. Es ist zum Verzweifeln. Was sie mir erzählt, ist zutiefst erschütternd. Die seelischen Folgen sind massiv. Vielen Frauen geht es ähnlich. Eine sagt: „Ich werde mich nie mehr einem Mann öffnen. Ich kann es nicht und will es nicht.“ Wer will es ihr verdenken? Sie findet Zuwendung und Liebe bei einer anderen Frau. – Letzteres sei biblisch zu hinterfragen, sagen Sie jetzt vielleicht zurecht. Aber wer will den ersten Stein werfen? Wer will urteilen? Wo liegen hier eigentlich Recht und Unrecht?

Ich denke an den jungen Mann, der aus einer pietistischen Familie stammt. Er ist tief gläubig, hat Jesus lieb, liest täglich in der Bibel und lebt mit ihr. Er sagt zu mir: „Weißt du, ich habe mich noch nie für ein Mädchen interessiert. Ich bin schwul und war es schon immer. Mir hat nie jemand etwas getan, meine Eltern haben alle Geschwister gleich erzogen. Aber ich bin so. Ich habe es mir nicht ausgesucht.“ – Wer hat diesen jungen Mann je wahrgenommen? Angenommen war er so in seiner Gemeinde nicht. Er ist weggezogen. 

Viele Gemeinden sind Tabuzonen

Ich denke an viele Eltern, die mir in den letzten Jahren unter Tränen berichten von ihrer lesbischen Tochter oder ihrem schwulen Sohn. Oft sind Eltern-Kind-Beziehungen zerbrochen. In der Gemeinschaft können sie darüber nicht reden. Viele der nächsten Geschwister wissen nichts davon. Unsere Gemeinden sind Tabuzonen, in denen man sich nicht ehrlich zu werden traut, wenn es um Homosexualität geht. Stattdessen wird still gelitten bis zur tiefsten Verzweiflung. Das darf nicht so bleiben! Wir brauchen einen neuen Aufbruch zur Ehrlichkeit und zur Nächstenliebe. Nein, die Liebe hebt Gottes Gebote nicht auf. Aber wir sind herausgefordert, einander auszuhalten und zu begleiten. Wir sind keine Gemeinschaft von Richtern, sondern von Sündern, die alle von Gottes Gnade leben. Jenseits aller Synodaldebatten ist das unsere erste Aufgabe: endlich ehrlich werden, einander barmherzig tragen und so Jesus nachfolgen.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Welches Bild male ich von mir?

Liebe Apis, liebe Freunde,

welches Bild zeichnen Sie von sich selber? Es gibt viele Bilder, die wir im Kopf haben. Zunächst die schönen und ansehnlichen Selbstporträts. Wir als die Guten, als die Frommen, als die Höflichen und Freundlichen, die Gutangesehenen und Gutaussehenden, die, die etwas hermachen. Solche Bilder zeichnen wir gerne von uns und inszenieren uns, posten solche Fotos im Netz und achten darauf, dass möglichst viele ein solches Bild von uns haben. – Zugleich ahnen wir, dass dieses Selbstporträt ein Trugbild sein kann. Manchmal haben wir andere Bilder von uns im Herzen. Die Bilder, die andere in uns hineingelegt haben: Unsere Eltern zum Beispiel. Unsere Vorgesetzten, unsere Nachbarn, unsere Großeltern, die Pastoren und Pfarrer, die uns gesagt haben, wer wir sein sollen und vielleicht doch nicht sind. Es gibt hohe Erwartungen, die wir oft mit uns herumtragen und denen wir allzu oft nicht entsprechen. Verpflichtungen, an denen wir nur scheitern. Wir sehen, was wir sein sollen, aber eben doch nicht sind. Das sind Bilder, die zerbrechen und die wir nicht gerne ansehen.

Was Glauben heißt

Die Frage ist, wer sind wir eigentlich? Wer bin ich? Welchem Bild entspreche ich? Entscheidend ist dabei nicht, welche Bilder wir von uns zeichnen oder andere von uns malen, sondern wer wir in den Augen Gottes sind. Gott hat ein Bild von uns und das malt er uns vor Augen und sagt, wer wir sind. Wir gehören ihm. Wir sind seine Kinder. „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.“ So redet Gott mit Israel und so redet er mit uns. Wir sind, was er uns zusagt. Glauben heißt, dass wir uns in dieses Bild Gottes hineinfügen und unser Selbstbild diesem Bild anpassen, das Jesus von uns hat, und ihm immer ähnlicher werden. Glauben heißt, auf Gott vertrauen und so auch zu sich selbst zu finden.

Darin liegt eine große Freiheit und eine große Freude. Wir müssen nicht mehr werden, was wir nie sein können, sondern dürfen einfach leben als Kind Gottes. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele gute Einsichten beim Lesen dieser Ausgabe unseres Magazins.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Die Wüste lebt

Liebe Apis, liebe Freunde,

die Wüste ist ein Ort, der Faszination und Schrecken in einzigartiger Weise verbindet. Die Wüste steht für endlose Weite, Sand, Stein, Hitze, Dürre, eine trostlose Gegend ohne Pflanzen und Tiere, ein Ort ohne Leben. Spätestens seit dem Naturfilm-Klassiker „Die Wüste lebt“ aus dem Jahre 1953 wissen wir jedoch, die Wüste ist durchaus auch ein Ort des Lebens voller Vitalität und Aussicht auf Leben in bunten Farben. Wenn einmal der seltene Fall eintritt, dass es in der Wüste regnet, so erwacht sie zu ungeahntem Leben: Blüten in bunten Farben, die zeigen: Die Wüste lebt. Dabei gilt: Die Wüste ist auch ein Ort in der Bibel. Die Wüste ist ein Ort der Versuchung, der Versöhnung und der Verheißung.

Versuchung, Versöhnung, Verheißung

Zunächst ist die Wüste ein Ort der Versuchung. Jesus wurde in der Wüste versucht. Der Versucher begegnet ihm und fordert ihn drei Mal heraus. Jesus widersteht dieser Versuchung und hält stand. Er steht das durch, was wir oft nicht durchstehen. Versuchungen begegnen uns auf allen möglichen Wegen, gerade dann, wenn wir schwach werden. Wenn wir in der Wüste der Versuchung sind, ist es gut, auf Jesus zu sehen, der uns treu geblieben ist.

Die Wüste ist zugleich ein Ort der Versöhnung. Als Israel durch die Wüste zieht und sich von Ägypten ins gelobte Land aufmacht, schenkt Gott ihnen den großen Versöhnungstag. Die Stiftshütte als ein Ort der Begegnung mit Gott ist mitten in der Wüste ein Begleiter. Gott schafft mitten in der Wüste Versöhnung. Golgatha ist vielleicht der wüsteste Ort der Welt, auf dem Jesus stirbt und eine Versöhnung schafft, die bleibt. Die Wüsten dieser Welt sind der Ort, an dem Gott Versöhnung schafft.

Und weil das so ist, ist die Wüste schließlich auch ein Ort der Verheißung. Die Wüste ist nicht der letzte Ort, an dem wir bleiben werden, sondern sie ist eine Durchgangsstation ins gelobte Land. Wir sind auf dem Weg in ein Hoffnungsland. Darum ist die Wüste gerade der Ort, an dem wir Gottes Verheißung hören und von ihr geleitet weitergehen.

Ich wünsche Ihnen für die Wüstenzeiten Ihres Lebens diese Zuversicht und Hoffnung. Und vielleicht kann auf Ihrem Weg dieses Magazin so etwas wie eine kleine Oase sein.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Unterschätzt!

Liebe Apis, liebe Freunde,

zu den Dingen, die wir am meisten unterschätzen, gehört vermutlich das Gebet: Beten scheint tendenziell etwas für kleine Kinder zu sein oder für ziemlich alte Leute. Aber wer mitten im Leben steht und Kraft hat, etwas anzupacken und zu tun – wozu soll der beten? Für schönes Wetter vielleicht? Für gute Noten? Da sollte man doch besser ordentlich lernen! Oder beten für den Weltfrieden? Der ist sowieso nie erreichbar. So nach dem Motto: „Lieber Gott, bitte mach, dass alles gut wird.“ Das scheint vielen doch sehr naiv zu sein. Andererseits geben viele Menschen an, dass sie zumindest gelegentlich beten. Es gibt mehr Menschen in Deutschland, die beten, als solche, die in eine Kirche gehen. Beten heißt auch, das Leben für eine andere Dimension offen zu halten. Eben weil wir nicht alles machen können und nicht alles in der Hand haben. Also beten viele auch gegen ihre Vernunft: für ihre Kinder, für ihre Gesundheit, für Bewahrung und Frieden.

Den Himmel in Bewegung bringen

Bertolt Brecht soll einmal gesagt haben: „Niemand unter den Sterblichen ist so groß, dass er nicht in ein Gebet eingeschlossen werden könnte.“ Recht hat er, finde ich. Es gibt gewiss niemanden, der ein Gebet nicht nötig hätte. Also, lasst uns mit Zuversicht beten. In der Erwartung, dass Gott hört und unser Beten den Himmel in Bewegung setzt. „Das Gebet ersetzt keine Tat, aber das Gebet ist eine Tat, die durch nichts ersetzt werden kann.“ Was der Württemberger Altbischof Hans von Keler so treffend formuliert hat, beschreibt den Zusammenhang von Beten und Handeln. So wie Glaube nicht durch den Verstand oder die Vernunft zu ersetzen ist, ist das Gebet nicht durch unser Tun zu ersetzen.

Wie beten Sie?

Was verbinden Sie mit Gebet? Frust oder Freude, wertvolle Auszeit oder pflichtbewusste Übung, Last oder Lust? Wie beten Sie eigentlich? Wo und wann? – Diese Ausgabe unseres Magazins lädt Sie dazu sein, das Geheimnis des Gebets neu zu entdecken. Dabei bleiben Frusterfahrungen und Enttäuschen nicht außen vor, etwa wenn Gebete unerhört bleiben. Eines rate ich aber vorneweg: Beten Sie! Und Sie werden entdecken, dass Beten froh und frei macht, dass es Sinn hat. Anders als durch Beten werden Sie diesen unterschätzten Schatz nie entdecken.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Der Friedensmacher

Liebe Apis, liebe Freunde,

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ – In diesem alten Sprichwort steckt eine tiefe Wahrheit. Es gibt nur zwei Probleme: „Böse Nachbarn“ gibt es immer wieder, und manchmal gehören die „Frömmsten“ selbst zu ihnen. Darum leben wir immer wieder in Unfrieden: in unseren Nachbarschaften, an unseren Arbeitsplätzen, in unseren Familien, aber auch in unseren Gemeinden und Gemeinschaften. Anlässe zum Streiten gibt es viele. Eigentlich können wir uns über alles streiten. Die eigentliche Not ist, dass wir den Streit kultivieren. Mehr noch, dass uns der Andere oft nicht einmal mehr einen Streit wert ist. So zerbrechen Beziehungen. Unser tiefstes Problem ist unsere Unversöhnlichkeit.

Scheitern an uns selbst

Wahrscheinlich liegt darin eines der traurigsten Geheimnisse einer fehlenden missionarischen Ausstrahlkraft. Eine zerstrittene Gemeinde gibt kein gutes Bild nach außen ab, denn sie lebt nicht das, was sie verkündet. Wir glauben doch an den Versöhner Jesus Christus. Wir leben doch davon, dass er uns vergibt und neu mit uns anfängt. Wir setzen doch auf Gemeinschaft, die wir selbst nicht machen können, sondern die uns durch Jesus Christus geschenkt wird. Aber wenn es darum geht, Brücken über oft uralte Gräben zu bauen, scheitern wir an uns selbst. Das ist eine große Not, die sich durch viele Gemeinden zieht. Die Frage ist, was hilft uns weiter?

Offene Hände

Gewiss brauchen wir häufiger Moderation und Mediation, also Menschen, die von außen kommen und streitenden Parteien helfen, das Kriegsbeil zu begraben. Oft müssen wir erst lernen, Probleme offen auszusprechen, einander wieder in die Augen zu sehen und gemeinsam neu anzufangen. Das ist möglich. Aber herstellen können wir Versöhnung nicht. Wir brauchen letztlich Jesus Christus selbst. Den Versöhner. Den Friedefürst. Den Heilmacher. Am Kreuz hat er Frieden gemacht. Der gilt. Friede und Versöhnung sind Geschenke. Nur wer die Hände öffnet, wird sie empfangen. – Ich wünschen Ihnen und mir von Herzen, dass wir lernen die Hände zu öffnen und im neuen Jahr etwas von diesem Frieden erleben.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Jesus Christus im Zentrum

Liebe Apis, liebe Freunde,

wir erleben eine Zeit der Polarisierung. Unsere Gesellschaft driftet immer mehr auseinander: nach links, nach rechts, an verschiedene Ränder. Das belegen nicht nur die jüngsten Wahlergebnisse, sondern auch viele Debatten und öffentliche Verlautbarungen der letzten Monate. Der Ton wird rauer. Auch in der Kirche gibt es diesen Trend, geringschätzig, manchmal fast gehässig über die zu reden, die ihren Glauben anders leben, eine andere Frömmigkeit oder eine andere Ethik haben. Was wird gelegentlich über „die Frommen“ gespottet! Was wird aber auch über Bischöfe und Synoden in manchmal beschämender Weise geurteilt und abschätzig gesprochen, vor allem in den oft anonymen Foren der sozialen Netzwerke. Differenzierung hat es schwer in diesen Tagen. Wo stehen wir in Zeiten der Polarisierung und der schnellen Hetze? – Als Pietismus stehen wir für eine Christus-Mitte.

Position und Weite

An unserem Bekenntnis zu Jesus Christus entscheidet sich alles. Es ist die zentrale Grundfrage für uns Christen – eigentlich schon immer, aber in den nächsten Jahren in besonderer Weise. Wir glauben allein an Jesus Christus. Das bekennen wir gegenüber anderen religiösen oder atheistischen Weltanschauungen. Nur in ihm finden wir Erlösung, Heil und Hoffnung. Unser Christusbekenntnis unterscheidet uns. „Einen anderen Grund kann niemand legen als den der gelegt ist: Jesus Christus.“ – Das ist unsere Position. Wir haben eine klare Christus-Position. Und darum auch eine Weite, wenn es um viele andere Fragen geht: etwa im Verständnis einzelner Glaubens- und Lebensfragen. Wer eine Mitte hat, kann aushalten und zusammenhalten. Darin sind wir auch in unseren Kirchen immer mehr gefordert. Wohin sonst also sollten wir rufen als zu dieser Mitte?In dieser Ausgabe des Magazins finden Sie ein Gebetsposter. Darauf finden Sie ein Foto von einigen unserer Mitarbeiter, längst nicht allen. Entstanden ist es bei einer Tagung auf dem Schönblick. Bitte beten Sie für die Frauen und Männer, die bei uns hauptamtlich tätig sind und denken Sie weiter an unseren Verband! Darauf sind wir angewiesen. Ein herzlicher Dank vorab!

Ihnen einen gesegneten Advent!
Ihr
Steffen Kern

Neue Fundgrube für Bibelbeweger

Liebe Apis, liebe Freunde,

wir sind Bibelbeweger, denn wir greifen zur Bibel, blättern in ihr, bewegen ihre Worte und lassen uns von ihnen bewegen. Das soll für uns Apis gelten, aber viel mehr noch für alle Christen: Es kommt darauf an, dass wir neu zu Bibelbewegern werden und unsere Gemeinden und Kirchen zu einer Bibelbewegung. An ihrem Umgang mit der Bibel entscheidet sich, ob eine Gemeinde gesund lebt oder kränkelt.

Weder kritisch noch fundamentalistisch

Wir lesen die Bibel. Nicht kritisch von oben herab, als könnten wir festlegen, was uns aus der Bibel in den Kram passt und was nicht. Nicht fundamentalistisch verengt, als wäre die Bibel ein Gesetzesbuch, das uns die Freiheit nimmt, uns mit Sonderlehren belastet und uns zu Sonderlingen macht. Nein, die Bibel befreit uns. Sie beflügelt Denken und Handeln. Durch die Bibel redet Gott zu uns. Er tut es durch die Bibel auf einzigartige Weise. Sie ist Gottes Wort an uns, darum lesen wir sie. Regelmäßig. Wir verstehen nicht alles, aber wir versuchen zu verstehen. Wir fragen nach dem historischen Zusammenhang, denn die Bibel wurde von vielen Menschen über Jahrhunderte hinweg geschrieben. Wir werfen Bibelstellen nicht wild durcheinander, sondern lesen einzelne Stellen im Zusammenhang des jeweiligen Kapitels oder Buches. Vor allem aber: Wir lesen die Bibel betend. Gottes Geist leitet uns dabei. Er befriedigt nicht all unsere Neugier, aber er lässt uns verstehen, was wir zum Leben und zum Sterben brauchen.

Jede Woche ein neues Video

Ab November 2018 eröffnen wir ein neues Webportal: bibelbeweger.de. Eine Mediathek für Gemeinde, Gottesdienst und persönliches Bibelstudium. Hier gibt es jede Woche ein neues Video, viele Impulse zur Veranschaulichung von einzelnen Bibelstellen, biblischen Büchern und Personen. Es wird nach und nach zu einer echten Fundgrube für Bibelbeweger. Klicken Sie doch einfach rein und lassen Sie sich neu von der Bibel bewegen.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

In den Wald statt in die Kirche?

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
Männer sind anders. Wenn vier Männer morgens in einem Auto sitzen, dann muss man nicht reden. Man kann einfach nur da sitzen und fahren. Man kann schweigen. Jeder hat ja schließlich seine Scheibe, durch die er raussehen kann ... Es ist nicht peinlich. Es ist nicht komisch. Es ist einfach eine Autofahrt ohne großes Gequatsche. – Klar, Männer können auch anders. Sie können diskutieren, erzählen, krakeelen, laute und leise Töne anschlagen, und entgegen anders lautender Gerüchte können Männer auch zuhören. Gelegentlich zumindest. Ohnehin gilt: Mann ist nicht gleich Mann. Jeder ist anders. Offensichtlich ist jedenfalls seit Jahrhunderten: Männer gehen nicht so häufig in die Kirche wie Frauen. Gottesdienste, Bibelstunden und Gebetskreise haben einen Frauenüberschuss. Warum ist das so? Glauben Männer weniger? Oder einfach nur anders als Frauen?

Baumarkt, Bier und Ballerspiele

Natürlich ist die Gefahr groß, hier ganz schnell in Klischees zu verfallen. Aber auffallend viele Autoren beschäftigen sich in den letzten Jahren damit und stellen etwa fest: Männer mögen es, sich zu messen. Kämpfen statt Kuscheln. Abenteuer statt Hauskreisrunde. Baumarkt, Bier, Ball- und Ballerspiele statt Tee trinken, Kekse essen und sich über Befindlichkeiten austauschen. Natur statt Innerlichkeit. – Natürlich ist das überzeichnet, aber offensichtlich finden Männer all das, was wir im durchschnittlichen gemeindlichen Veranstaltungskalender haben, nicht so attraktiv: Lieder singen und sich womöglich noch beim Segenslied an den Händen halten – das ist nicht eines jeden Mannes Sache. Ein Prediger brachte es auf den Punkt: „Auch auf die Gefahr hin, dass der Förster uns beerdigen muss: Wir gehen tatsächlich manchmal lieber alleine im Wald spazieren als in den Gottesdienst.“

Männer machen vieles mit sich selber aus. Sie haben manchmal so ihre Zweifel. Aber sie haben auch ihren Glauben. Die Bibel jedenfalls ist voll von Männergeschichten, von Abenteuer, von Glaubenshelden und Zweiflern, die wie Jakob mit Gott kämpfen, wie David Siege feiern und tief fallen, oder wie Paulus neue Länder erobern. Die Bibel hat Platz für ein ganzes Männerleben. Aber unser Gemeindeleben spiegelt das oft nicht wider. Nach Jungschar und Jungenschaft ist oft Schluss mit den Männerangeboten. Ja, es tut sich was: Es gibt vermehrt Männervesper und Männerstammtische. Es gibt vereinzelt noch die gute alte Brüderstunde. Es gibt den Api-Männertag am 19. Januar 2019 auf dem Schönblick. Mehr davon bitte! Denn Männer mit Herz und Haltung brauchen wir, Männer mit Glauben.

Herzlichst,
Ihr
Steffen Kern

Auf den Geschmack kommen

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
über Geschmack lässt sich nicht streiten, denn die Geschmäcker sind verschieden: Der Eine mag Fisch, die Andere nicht. Der Eine isst gern Fleisch, fett und viel; die Andere steht auf vegan und bio und auch davon nur ein bisschen. Manche mögen Magerquark, andere lieber Sahneschnittchen. Manche mögen’s heiß, andere kalt. So ist und so war das schon immer. Eines aber ist klar: So verschieden die Geschmacksrichtungen sein mögen – leben wollen wir alle.

In uns steckt die Sehnsucht nach Erfüllung, Sinn und Glück. Wir sehnen uns nach Zufriedenheit. Wir haben Durst nach Leben. Psalm 42 bringt es auf den Punkt: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott.“ Wir Menschen sind bedürftige Wesen. So verschieden wir auch sein mögen, welche Vorlieben und Ansichten wir auch immer haben mögen, welche unterschiedlichen Herkünfte und Prägungen: Wir alle sind auf Wasser angewiesen. Wir alle brauchen Wasser zum Leben. Jesus gibt es uns. Dazu ist er in diese Welt gekommen. Vor ihm und durch ihn sind wir alle gleich. Er gibt uns Wasser, das unseren Durst auf ewig stillt. Er ist gekommen, damit wir das Leben haben und die Fülle. Er macht Wasser zu Wein. Denn er liebt es, wenn wir auf den Geschmack kommen: auf den Geschmack der Gnade Gottes.

Alles geschenkt

Wenn es um kulinarische Geschmacksrichtungen geht, hat keiner Recht und liegt niemand falsch. Da tickt, isst und trinkt jeder anders. Wenn es aber um Leben geht, dann gibt es nur ein Angebot, das unseren Durst stillt, uns sättigt und stärkt, und das einzigartig schmeckt: die Gnade Gottes. Er schenkt uns alles. Jeden Tag, jede Stunde unseres Lebens. Er gibt uns Chancen, Fähigkeiten und Möglichkeiten, etwas zu tun. Er fängt neu mit uns an, wenn wir scheitern. Er ist immer für uns da. Er stellt uns andere Menschen an die Seite, die genauso geliebt, auf ihre je eigene Weise begabt und gesegnet sind. Wir alle leben letztlich nicht von dem, was wir schaffen und was wir aus uns machen, sondern von dem, was uns geschenkt ist. Je mehr wir das begreifen, desto mehr kommen wir auf den Geschmack von Leben.

Ich wünsche Ihnen und Euch in den kommenden Sommerwochen viele solcher Geschmacks-Momente!

Mit sommerlichen Grüßen
Ihr
Steffen Kern

Mehr als ein Job

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
über die Arbeit werden gerne Witze gemacht, so nach dem Motto: „Ich mag meinen Job; das einzige, was mich stört, ist die Arbeit!“ – Arbeit erscheint oft als etwas Lästiges, Mühsames und Beschwerliches. Arbeit als ein notwendiges Übel, oder wie es das offene Bekenntnis des eher Tätigkeitsscheuen ausdrückt: „Arbeit ist nichts für mich; ich bin eher so ein Freizeittyp.“ Manchmal ist diese Haltung gepaart mit der Überzeugung: „Ich verdiene Millionen; die zahlt mir nur keiner.“ Und darum freuen wir uns auf kaum etwas so sehr wie auf das Wochenende. In Radiosendern ist schon am Mittwoch davon die Rede, dass schon die Hälfte auf dem Weg zum Wochenende geschafft sei. Und am Montag bedauern wir uns gegenseitig. „I don’t like Mondays; ich mag Montage nicht“, singt ein ganzes Land im Chor. Dabei ist Arbeit etwas Großartiges.

Leben ist sinnvoll – nicht nur am Wochenende

Das merken wir spätestens dann, wenn wir sie los sind. Wer arbeitslos ist oder es einmal war, kann ein Lied davon singen. Wer aus gesundheitlichen Gründen plötzlich nicht mehr arbeiten kann, weiß den Wert der Arbeit zu schätzen. Wer plötzlich raus ist, würde so gerne wieder dabei sein. Arbeit ist mehr als nur Beschäftigung. Mehr als nur ein Job. Auch mehr als nur Mittel zum Zweck des Geldverdienstes. Wenn wir arbeiten, tun wir, was wir können – und was wir sollen. Gott hat uns Gaben gegeben und eine Aufgabe: Wir sollen die Schöpfung bebauen und bewahren. Arbeit gehört zum Menschsein. Arbeit hat mit unserer Würde zu tun. Nein, Arbeit ist gewiss nicht alles im Leben. Menschsein bedeutet mehr als Arbeiten; darum hat Gott ja den Sonntag geschaffen. Aber Arbeit gehört zu unserem Leben, macht uns zufrieden, lässt uns erkennen, dass wir etwas Sinnvolles tun können und gibt uns etwas zurück von dem, was wir als Sinn empfinden. Manche erfahren sogar: Arbeit macht glücklich.

Weil das so ist, lohnt es sich, die Arbeit einmal zum Thema zu machen. Ob sie erwerbsmäßig geschieht oder zuhause, ob in der Kindererziehung oder im Ruhestand, ob in der Werkstatt oder im Büro, ob im Anzug oder im Blaumann – Arbeit ist immer da. Sie begleitet uns unser Leben lang. Sie ist immer wieder mühsam – ja, das gewiss auch. Sie ist aber ein Grund, dankbar zu sein. Und sie ist Verpflichtung: Wenn Arbeit mit unserer Würde zu tun hat, haben wir auch auf angemessene Arbeitsbedingungen zu achten. Verantwortung haben also alle: Arbeitnehmer und Arbeitgeber.  In dieser besonderen Ausgabe unseres Magazins lesen Sie von Berufen und Berufungen. Sie begegnen Menschen bei der Arbeit. Und Sie werden erleben: So unterschiedlich die Arbeitsbereiche der Einzelnen sind – alle sind sie mit Gott im Job unterwegs.

Seien Sie freundlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Abseits!

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
ich weiß nicht, wie Sie es mit dem Fußball halten – die Sache mit dem runden Leder ist ja bekanntlich nicht jedermanns Sache. Aber ich für meinen Teil muss gestehen: Ich freue mich auf die Fußball-Weltmeisterschaft. Alle vier Jahre ist so ein kleines bisschen Ausnahmezustand. Viele verfolgen die Spiele. Viele fiebern mit. Manche machen Nächte durch, um zumindest auf dem Fernsehsofa „mitzufußballern“. Dabei sein ist eben auch hier alles. Es ist die Zeit, in der unsere Nation wie viele andere – nota bene: außer Holland und Italien – ein bisschen balla-balla ist. Es ist die Zeit der kleinen Flaggen im Gesicht, am Autospiegel und im Vorgarten. Gut vier Wochen, in denen es Millionen Bundestrainer gibt, die alles besser wissen als unser Bundes-Jogi. Und: Es ist die Zeit, in der selbst Fußball-Muffel neu lernen, was Abseits bedeutet.

Abseits, so weiß jedes Kind, ist dann, wenn ein ballannehmender Spieler der angreifenden Mannschaft im Moment der Ballabgabe durch den ihn anspielenden Spieler näher an der gegnerischen Torlinie steht als ein Spieler der verteidigenden Mannschaft. Alles klar? – Falls nicht, empfehle ich Ihnen einen 90-Minuten-Crashkurs in den nächsten Wochen. Eines ist jedenfalls klar: Wenn einer im Abseits steht, wird das Spiel unterbrochen. Der Angriff ist vorbei. Es gibt Freistoß für die gegnerische Mannschaft. – Ich finde, das ist ein großartiges Gleichnis für das, was Jesus für uns getan hat.

Jesus im Abseits

Er ist in diese Welt gekommen und wurde ins Abseits gestellt. Beschimpft, beschuldigt, bespuckt. Verraten, verkauft, verurteilt. Gekreuzigt, gestorben, begraben. Er hat diesen Weg gewählt und sich ins Abseits stellen lassen. Zugegeben, da enden die Vergleiche mit dem Fußball. Die Folgen aber sind wiederum verblüffend parallel: Weil dieser Jesus im Abseits steht, wird das Spiel dieser Welt unterbrochen. Die Angriffe der tausend berechtigten oder unberechtigten Beschuldigungen gegen uns sind vorbei und haben keinen Anspruch mehr an uns. Es gibt einen Freispruch für uns, die wir einst Gegner Gottes waren. – Kurzum: Weil Jesus im Abseits steht, gehören wir zu Gottes Mannschaft. Mehr noch als die Spieler einer Mannschaft und mehr als die Fans eines Teams gehören wir Christen zusammen, auch wenn uns gelegentlich manches schmerzlich trennt. Davon lesen Sie mehr in dieser Ausgabe unseres Magazins.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Von der Untugend, Unsägliches zu sagen

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
wie viele Worte dringen jeden Tag an unser Ohr? – Das weiß wohl kein Mensch. Wahrscheinlich ist es auch nicht zu sehr von Belang, wie viel wir jeden Tag hören und sagen. Bedeutsamer ist, dass wir auch Unsägliches sagen und hören. Gerüchte verbreiten wir Menschen schon immer. Nicht umsonst heißt eines der 10 Gebote: „Du sollst kein falsch Zeugnis sagen wider deinen Nächsten.“ Und doch tun wir genau das beständig. Wir reden unsagbar gerne allzu viel über andere. Über den einen Nachbarn, die Kollegin, die neue Besucherin im Gottesdienst, den Pfarrer … Vor allem Personen des öffentlichen Lebens sind oft Gegenstand unserer Gespräche und unserer Spekulationen. Christen unterscheiden sich hier in keiner Weise von Nichtchristen. Das Internet und die Kommunikation in sozialen Netzwerken verschärfen diese alte Untugend, Unsägliches zu sagen, noch einmal dramatisch. Oft anonym werden auf Facebook und Co Behauptungen in die Welt gesetzt, die nicht zu belegen sind. Wir schwadronieren und dreschen Phrasen, gelegentlich auch politische, um möglichst viel Effekt zu erzielen. Die Wirkung von alldem ist verheerend und die Gesellschaft droht sich immer mehr zu polarisieren. Eines ist klar: Wir brauchen mehr Achtsamkeit auf das, was wir sagen. Es braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen für ihre Worte und deren Konsequenzen. – Worauf kommt es also an, wenn wir reden?

Ehrlich, persönlich, differenziert

Ich meine, wir müssen ehrlicher, persönlicher und differenzierter zu reden lernen. – Ehrlich zu sein ist die Basis von allem. Nicht nur in dem, was wir sagen, sondern auch in dem, was wir verschweigen. Auch Halbwahrheiten sind ganze Lügen. Gar nicht so einfach im Zeitalter von sogenannten „alternativen Fakten“. Die Wahrheit ist ein kostbares Gut. Darum ist Ehrlichkeit gefragt.

Und persönlich sollte es sein. Für das, was wir sagen, haben wir persönlich geradezustehen. Es ist nicht akzeptabel, wenn anonym oder unter falschem Namen im Internet Thesen verbreitet werden, die kein Mensch überprüfen und nachverfolgen kann. Rückfragen auszuweichen, auch Rückfragen unmöglich zu machen, ist schlicht und ergreifend feige. So zerstören wir unser gesellschaftliches Klima. Je unehrlicher und unpersönlicher wir reden, desto weniger Vertrauen gibt es in unserem Land. Christen sollten für eine vertrauensvolle Kommunikation einstehen.

Dazu gehört es auch, differenziert zu reden. Unsere Welt ist so komplex, dass platte und einfache Antworten oft nicht genügen. Es gilt die Dinge differenziert zu betrachten, sorgsam abzuwägen und dann auch klar Position zu beziehen. Diese Differenziertheit bleibt aber allzu oft auf der Strecke. Differenziert zu reden kostet uns etwas. Nämlich Zeit und Kraft und es bedeutet hinzuhören, bevor wir etwas sagen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen beim Lesen dieser Ausgabe unseres Magazins viele gute Einsichten.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Willkommen in Hülben!

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
wer der Geschichte des Pietismus in Württemberg auf frischer Tat begegnen will, der muss nach Hülben! Nirgendwo sonst hat der frühe Pietismus so tiefe Spuren hinterlassen wie auf dem karstigen Albboden hoch über Bad Urach. Seit mindestens 250 Jahren gibt es dort ununterbrochen eine Bibelstunde. Im letzten Jahr haben wir 500 Jahre Reformation gefeiert. 2018 geht unser Blick von Wittenberg nach Württemberg und dort gezielt nach Hülben. Das kleine Albdorf ist seit einem Vierteljahrtausend ein geistliches Zentrum. Es taucht in jedem Lehrbuch über den Pietismus in Deutschland auf. Selbst wer die allgemeine Geschichte Württembergs erzählt, kommt an Hülben und an der Familie Kullen nicht vorbei: Kullen, Busch, Scheffbuch, Eißler – hier lassen sich Segenslinien durch Familien verfolgen. Von hier aus zogen sie nach Korntal, in die Kirche und in die Welt. Hülben prägte die Region und das Land. Bis heute strömen Hunderte zu den Treffen an dem Ort, der dem Himmel etwas näher zu sein scheint als andere. Was ist sein Geheimnis?

Herzlich und humorvoll, kurz und klar

Man erzählt das Wort Gottes, ohne allzu viele und vor allem nicht allzu lange Worte zu machen. Kurz und klar sind die Beiträge in den Treffen, die – abgesehen von den großen Konferenzen – verlässlich nach einer Stunde enden. Nüchtern und bodenständig geht es zu in Hülben. Es gibt keine besonderen Lehren, keine geistigen und geistlichen Höhenflüge, sondern Punktlandungen: Was in der Bibel steht, wird auf den Punkt gebracht. Einfach, schlicht und lebensnah. Herzlich und humorvoll begegnet man sich. Ich bin noch nie nach Hülben gekommen, ohne bei jedem Besuch zumindest einmal herzlich gelacht zu haben. Wer hierher kommt ins alte Schulhaus oder in die Kirche, erlebt: Das Evangelium hat Hand und Fuß.

Gewiss gibt es viele moderne und postmoderne, innovative und kreative Formen pietistischen Lebens an vielen Stellen im Land – und das ist gut so. In Hülben gibt es keine Experimente. Auch kein schwelgendes Halleluja. Keine Schwarzwälder Kirschtorte, sondern „Konferenzbrot“. Hier gibt es einen Bibeltext, eine kurze Geschichte aus dem Leben dazu, ein Segenswort und ein kräftiges Amen. Damit kann man leben. Und sterben. Denn der Pietismus in Hülben ist zwar traditionsbewusst – und das im besten Sinne – aber nie gesetzlich und eng. Im Gegenteil: Hier wird das Evangelium bezeugt. Hier hat man begriffen, was Gnade bedeutet. Hier auf der rauen Alb erfährt man immer wieder ein Stück der herzhaften Barmherzigkeit Gottes. Hier wird man nicht in den Himmel entrückt, sondern gewinnt Boden unter den Füßen und findet Kraft zum Leben. Darum bin ich von Herzen dankbar, dass es nach 250 Jahren immer noch heißt: Willkommen in Hülben!

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Wie geht eigentlich Glauben?

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
wie fängt man die Sache mit dem Glauben eigentlich an? So einfach ist das ja nicht. Schließlich fällt der Glaube nicht vom Himmel. Dabei ist er ein Geschenk des Himmels. Aber dass wir ihn, ganz irdisch, auch begreifen und fassen – das geht schrittweise. Viele fragen gerade nach diesen ersten, ganz grundlegenden Schritten: Wie geht eigentlich Glauben?

Glauben ist mehr als eine Weltanschauung. Glauben ist mehr, als etwas für wahr und etwas anderes für falsch zu halten. Glauben heißt, dass wir jemandem vertrauen. Dass wir uns auf das Wort eines anderen verlassen. Und dass wir es wagen, so zu leben. – Es beginnt immer damit, dass wir etwas von Gott hören. Wir erfahren, was er für uns getan hat. Wir hören von Jesus und seinen Versprechen an uns. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn für mich gab.“ Ich fange an, diesen Satz zu beherzigen. Ich lasse mir Gottes Worte sagen. Und widerspreche nicht. Ich lasse das Evangelium gelten und sage „Amen“ dazu. Die gute Nachricht begreife ich nicht voll und ganz, aber etwas von ihr sickert nach und nach in mein Herz und verändert alles. Ich gebe zu, dass ich Vergebung brauche, denn ich sehe ein, dass ich schuldig geworden bin. Ich entdecke auf einmal, wer Jesus ist und für mich sein will – und dabei entdecke ich mich selbst ganz neu: Ich bin trotz allem ein von Gott geliebter Mensch.

Ich beginne zaghaft mit einem ersten Gebet

Diese Einsicht drängt nach Ausdruck. Gottes Wort ist auf meine Antwort aus. Gottes Liebe wartet auf Erwiderung. Wenn es so ist, dass Gott eine Beziehung zu mir sucht, ja dass er als mein Vater in einer Beziehung zu mir steht, dann verändert das alles. Darum ändere ich alles: Ich antworte darauf und beginne zaghaft mit einem ersten Gebet. So fängt Glauben an. Ich suche den Kontakt mit meinem himmlischen Vater und mit Jesus, seinem Sohn, der ganz für mich da ist. Ich frage, wer er genau ist und was er will. Darum lese ich in der Bibel und begreife vieles nicht, aber das Wenige, das ich verstehe, ist mehr als ich zum Leben brauche. Ich beginne, anders zu leben. Manches lasse ich. Manches tu ich zum ersten Mal. Auf einmal bete ich, suche Kontakt zu andern Christen und habe andere Ziele für mein Leben. Da ist eine ganz neue Freiheit, eine bislang ungeahnte Gewissheit, eine neue Verbindung mit Menschen, die ich vorher kaum kannte, und da ist zwar nicht der Himmel auf Erden, gewiss nicht, und doch in meinem Herzen ein ganz neues Glück.

So kann ein Anfang im Glauben aussehen. Bei der einen so, beim anderen etwas anders. Bei proChrist laden wir herzlich dazu ein, erste Schritte im Glauben zu wagen. Wir reden über diese ersten Schritte und bieten an, Menschen auf diesem Weg zu begleiten. Schritt für Schritt. Respektvoll und liebevoll, freundlich und diskret, einladend und herzlich. Bitte gehen Sie doch mit. Beten Sie mit. Wagen Sie selbst neu Schritte auf dem Weg ins Leben und begleiten Sie andere dabei!

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Keine Angst?

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
es ist erstaunlich und äußerst auffällig: Eine der häufigsten Formulierungen Gottes in der Bibel lautet: „Fürchte dich nicht!“ – Wenn ein Engel oder Gott selbst auftritt, wenn das ganze Volk Israel oder ein einzelner Mensch angesprochen wird: immer wieder dieses „Fürchte dich nicht!“ – Offensichtlich haben wir es nötig, genau diesen Satz zu hören. Denn Furcht und Angst sind Wegbegleiter unseres Lebens, die wir nicht so leicht loswerden.
 
Angst vor dem Krieg, dem Terror, dem Schrecken. Angst vor der Krankheit, dem Sterben, dem Tod. Angst davor, sich zu öffnen, etwas zu wagen, enttäuscht zu werden. Angst vor der Klassenarbeit, vor der Prüfung. Angst davor, nicht zu bestehen. Angst, nicht anzukommen, ausgelacht zu werden. Angst, Ansehen zu verlieren. Angst, Geld und Gut zu verlieren. Angst, liebe Menschen zu verlieren. Angst, das Leben zu verlieren, vielleicht sogar das ewige Leben. Angst vor dem Teufel, Angst vor Gott. – Ängste gibt es unendlich viele. Nachvollziehbare und absurde, hilfreiche Warnungen und lähmende Furcht, gesunde Risikoeinschätzung und krankhafte Störung. Angst lässt sich nicht über einen Kamm scheren. Die Angst ist so verschieden wie die Menschen und das Leben.

Angst treibt in die Enge

Angst ist zugleich die Schwester der Manipulation. Mit Angst lässt sich Geld verdienen. Mit Angst kann man ein Machtsystem aufbauen. Das gilt für Diktaturen und Staatsregime, aber auch für Familien und sogar Gemeinden: Wo die Angst regiert, zieht die Freiheit aus. Menschen werden geknechtet und abhängig gemacht. Angst kriegt klein.
 
Eines verbindet alle Ängste: Angst ist immer Angst vor dem Verlieren. Gerade darum ist sie keine Haltung des Glaubens. Denn Menschen, die an Jesus Christus glauben, sind gewiss, dass ihnen von ihm alles geschenkt wird und sie in ihm alles haben. Ja, die Angst kommt. Aber wir halten sie nicht fest. Wir halten uns an Jesus und seine Versprechen.
Wir verharmlosen die Gefahren und Nöte nicht, aber wir vertrauen auf einen, der größer ist. So gehen wir durch diese Welt, in der es oft keine einfachen Lösungen gibt. Immer wieder taucht die Angst auf, dass wir etwas Wesentliches verlieren. Dann aber erinnern wir uns daran, dass uns Jesus alles schenkt und wir in ihm alles haben. Er ist der Herr der Geschichte. Diese Zuversicht ist größer als jede noch so begründete Angst, denn sie gründet in Jesus Christus selbst.

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Ihr
Steffen Kern

„Und sie bewegt sich doch!“

Liebe Apis, liebe Freunde,
 
das soll Galileo Galilei der Legende nach gemurmelt haben, als er das Inquisitionsgericht verließ und dort soeben das kopernikanische Weltbild öffentlich verleugnet hatte. Gemeint war: Die Erde bewegt sich doch um die Sonne. Die Vertreter des alten Weltbildes hielten sie dagegen für unbeweglich und starr. – Ähnliches denken heute manche von der Kirche. Es ist schon zum Klischee geworden: Starr sei sie, eingefahren und unbeweglich, die Kirche. In immer alten Strukturen ginge nichts nach vorne. Die Welt drehe sich weiter, aber die Kirche bleibe zurück. Ist das wirklich so?

Nein, es gibt Bewegung. Nicht nur in geistlicher Hinsicht, auf die es ja letztlich ankommt. Es gibt eine Bewegung, die nicht verborgen bleibt, sondern an immer mehr Stellen sichtbar wird. Neue Gemeindeformen entstehen, neue Gemeinschaften, neue missionarische und diakonische Initiativen. Das ist ganz bemerkenswert: Mitten im Wandel unserer Zeit, in einer Phase der fortschreitenden Säkularisierung und des dramatischen Mitgliederrückgangs der Kirchen gibt es neue Aufbrüche. Sie sind nicht spektakulär und dazu angetan, große Schlagzeilen auszulösen. Darum geht es auch gar nicht. Aber es geht darum, neue Perspektiven zu entdecken und Mut zu gewinnen, mit der eigenen Gemeinschaft und Gemeinde Neues zu wagen.

Mut, Neues zu wagen

Unter dem Titel „Fresh X“ sammeln sich Konzepte für und Berichte über „frische Ausdrucksformen“ von Kirche und Gemeinde. Manche haben bereits ganz erstaunliche Erfahrungen gesammelt: Im Vertrauen auf den Gott, der heute für uns da ist und uns in unsere Welt sendet, erleben wir, wie Gemeinschaften neue Wege suchen und finden. Das ist unser Uranliegen: Menschen mit dem Evangelium von Jesus Christus zu erreichen und ihnen eine Heimat zu geben. Und „Heimatgeber“ wollen und sollen wir sein. Das ist unser Auftrag. Die Artikel dieser Ausgabe erzählen eindrückliche Geschichten und machen Mut, unseren Glauben zu leben und neue Schritte zu wagen.
 
Ihnen alles Gute und Gottes Segen im Jahr 2018!

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Ihr
Steffen Kern

Im Blickkontakt mit Gott leben

Liebe Apis, liebe Freunde,

von Gottes Segen leben wir und damit von einem der größten Geheimnisse dieser Welt. Denn Segen bedeutet: Gott sieht uns an. Er wendet uns sein Angesicht zu und lässt seinen Blick auf uns ruhen. Ohne diesen gnädigen Blick Gottes wäre kein Leben möglich. Es ist wie beim Aufgang der Sonne: Ihre Strahlen wärmen und machen alles hell. Ohne Sonne kein Leben. Genauso ist das mit dem Segen Gottes: Sein Angesicht leuchtet über uns. Er erhebt sein Angesicht über uns. Er sieht uns an und ist uns gnädig. Er behütet uns und gibt uns Frieden. Es ist großartig, was uns die wertvollen Worte aus 4. Mose 6,24-26 eröffnen: Der Segen Gottes führt uns in den „Schalom“ Gottes.

Aber wenn Gott uns segnet, segnet er nicht alles ab, was wir tun und lassen. Sein Segen gilt uns als Personen und betrifft uns ganz. Unser Handeln aber haben wir selbst zu verantworten. Im Segen Gottes zu leben und unter seinem Segen zu bleiben, heißt darum, den Blickkontakt mit Gott zu suchen. Er will uns dann mit seinen Augen leiten, wie er in Psalm 32,8 verspricht. Darf ich Sie einmal fragen: Wann haben Sie zuletzt Gott in die Augen gesehen?

Gott macht glücklich – wirklich?

Das ist nicht die Frage nach einem besonders frommen Erlebnis oder einem innigen spirituellen Moment – es ist eine Frage nach Ihrer Lebenshaltung. Gott sieht uns an. Und das heißt: Er sucht Blickkontakt mit uns. So begleitet, leitet, führt und segnet er uns. Das tut er nicht nur in besonderen Momenten. Gottes größte Zeit in unserem Leben sind die Alltage, das Normale und Gewöhnliche. Nicht erst am Sonntag, nicht erst beim nächsten geistlichen Highlight – nein, jetzt ist Segenszeit. Zum Glück gibt’s den Segen. In diesem Sinne gilt: Gott macht glücklich. Er bewahrt nicht vor allem Leid und allem Schweren. Aber auf allen Wegen sieht er uns und geht mit. Genau dazu ist Jesus in diese Welt gekommen und hat sich auf die Straßen und Wege unseres Lebens begeben. Er ist da, er sieht uns freundlich an und spricht uns an. Seine Worte begleiten uns. Was für ein Glück!

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Ihr
Steffen Kern

... da ist Sünde

Liebe Apis, liebe Freunde,

wir feiern das Jubiläumsjahr der Reformation und hören in diesen Wochen viel von der reformatorischen Freiheit. In der Tat ist es die großartige Wiederentdeckung Martin Luthers und der Reformatoren, dass wir als Christen freie Menschen sind, weil Jesus Christus uns befreit. Durch seine Gnade leben wir. Darum feiern wir zu Recht diese Wiederentdeckung der Freiheit und beschreiben die Gemeinde Jesu Christi auch als „Kirche der Freiheit“.

Diese Freiheit wird aber in vollem Maße nur erkannt, wenn wir zugleich sagen können, wovon wir befreit sind. Mit dem Begriff der Sünde beschreibt die Bibel grundlegend, was uns gefangen hält und uns die Freiheit nimmt. Sünde ist viel mehr als ein Stückchen Schwarzwälder Kirschtorte zu viel, der eine oder andere Fehltritt oder ein schlagzeilenträchtiger Skandal. Sünde ist mehr als eine Tat oder Untat. Sünde beschreibt unser Wesen. Wir sind Sünder. Unser Herz ist von Jugend auf böse. Paulus hält zusammenfassend fest: „Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.“ (Röm 3,12b) Darum kommt es immer wieder entscheidend darauf an, dass uns Gott die Augen öffnet für diesen Zustand. Erst wenn uns unsere Sünde bewusst wird, können wir ermessen, was Gottes Gnade bedeutet. Erst dann können wir die Freiheit feiern, die uns Jesus Christus schenkt. Darum ist es gut und geboten, wenn wir im Blick auf uns immer wieder erkennen: Da ist Sünde.

Da ist Freiheit!

Eine Gefahr hat aber die Sache mit der Sünde. Wir sollten sie nicht nur bei anderen, sondern zuerst bei uns selbst suchen. Nicht zufällig lehrt uns Jesus im Vaterunser beten: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ Wir haben es nötig und brauchen es jeden Tag, dass Gott uns unsere Schuld vergibt, und zugleich bitten wir darum, dass wir anderen vergeben. Denn im Zustand der Sünde sind wir immer Täter und Opfer zugleich: Wir werden an anderen schuldig, aber auch andere werden an uns schuldig. Der verheerende Zusammenhang von Sünde und Tod kann nur durch Vergebung durchbrochen werden. Es ist darum entscheidend, dass wir das Evangelium als eine Botschaft der Freiheit begreifen: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Wir dürfen als freie Menschen leben und auch anderen vergeben. Vergebung durchbricht den Teufelskreis der Sünde. Wo das geschieht, können wir mit großer Freude und Dankbarkeit feststellen: Da ist Freiheit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen nicht nur für das Jubiläumsjahr 2017, sondern für Ihr ganzes Leben eine neue Freude am Evangelium.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern

Das Kreuz stört

Liebe Apis, liebe Freunde,

im Gerichtssaal, in öffentlichen Gebäuden, in Schulen – immer wieder gibt es Menschen, die sich am Kreuz stören. Manche fordern offen: Das Kreuz müsse weg. Ob auf dem Tempelberg in Jerusalem oder auf den Gipfeln der Alpen – das Kreuz ist von manchen nicht gerne gesehen und bleibt ein Stein des Anstoßes. Kurzum: Das Kreuz stört. Natürlich hat das verschiedene Gründe, auch politische und historische. Aber im Grunde war das schon immer so. Schon vor 2.000 Jahren: Das Wort vom Kreuz hat provoziert. Es war ein Ärgernis, ein Skandal.

Das Kreuz steht für einen grausamen Tod. Es ist ein Marterpfahl. Ein Folterinstrument. Unappetitlich und unansehnlich. So ist Jesus Christus gestorben. Außerhalb der Stadt auf einer Müllkippe nahe Jerusalem. Golgatha nannten sie diesen Ort. Schädelstätte. Kalt. Grausam. Dieser Ort steht für Schrecken, Terror und Tod.

Der ungeliebte Spiegel

An diesem Ort hält Jesus all das aus: Schrecken, Terror, Tod. Mehr noch: Er trägt die Last der ganzen Welt. Die ganzen zerbrochenen Beziehungen. Die Schuld, die wir auf uns laden. Das Kreuz steht für den Bankrott unseres Lebens. Für den Punkt, an dem ich am Ende bin. Darum stört es uns. Das wollen wir nicht wahrhaben. Das Kreuz hält uns einen Spiegel vor, in den wir nicht gerne sehen. Aber das Kreuz zeigt uns damit auch die bittere Wahrheit unseres Lebens: Ohne Vergebung sind wir bankrott.

Immer wieder wird gefragt: War es nötig, dass Jesus für uns stirbt? Musste Jesus für mich sterben? Persönlich kann ich nur sagen: Ja. Davon lebe ich: Dass Jesus meine Schuld getragen hat und ich leben darf. Das Kreuz steht nicht nur für das Ende und den Tod. Es steht für einen neuen Anfang. Hier können wir ehrlich werden. Hier können wir Schuld ehrlich ansprechen und offen aussprechen. Hier wird mir vergeben. Dafür steht das Kreuz und darum ist es mir der liebste Ort der Welt: Denn hier unter diesem Kreuz können wir neu anfangen. – Wir Christen stehen darum unter dem Kreuz. Wir ziehen es nicht zurück. Wir verstecken es nicht. Im Gegenteil: Wir halten es hoch und halten es in Ehren. Und wir können es nicht lassen, von dem Mann am Kreuz zu reden. Darum bewusst auch nach der Passionszeit und Ostern diese Ausgabe unseres Magazins: Das Kreuz geht uns immer an.

Seien Sie freundlich gegrüßt
Ihr
Steffen Kern